Es soll eine sanfte, angstfreie und schmerzreduzierte Geburt garantieren: Das HypnoBirthing. Also Geburt unter Hypnose? Völlig willenlos und ferngesteuert, wie man das aus einschlägigen TV-Shows so kennt? Naja…nicht ganz. Ein paar Hintergründe zum HypnoBirthing.

Eine wachsende Anzahl Frauen – darunter soll sogar Herzogin Kate sein – vertraut auf HypnoBirthing. Und viele berichten anschließend von ähnlich positiven Erlebnissen: von schönen Geburten ohne Schmerzmittel, ohne Angst und mit durchaus aushaltbaren Schmerzen. Wie „Brennnesseln am Arm machen“ beschreiben sie die Austreibungsphase. Das klingt ja schon mal ziemlich gut, wenn man bedenkt, wie schmerzhaft eine Geburt halt so sein kann. Doch wie funktioniert das genau? Anders als der Name es suggeriert, hat HypnoBirthing nur bedingt etwas mit Hypnose zu tun. Es steht keiner neben einem im Kreißsaal, zählt bis zehn und dann gackert man wie Huhn, hechelt wie ein Hund oder wandelt willenlos zwischen Geburtswanne und Medizinball hin und her.

Vielmehr geht es darum, Frau über sich selbst zu werden: In HypnoBirthing Kursen lernt man Entspannungs-, Atem- und Massagetechniken kennen und wird genau über den Ablauf einer Geburt aufgeklärt: Was während der Geburt in der Gebärmutter passiert und wie das Kind durch den Geburtskanal „rutscht“. Worte wie Wehen sind dabei übrigens tabu. Stattdessen wird beim HypnoBirthing von Kontraktionen und Wellen gesprochen.

Angst löst Anspannung aus und Anspannung bedeutet Schmerz

Die Ursprünge der Methode basieren auf Erkenntnissen von Dr. Grantly Rick-Reed, einem Pionier der natürlichen Geburt. Seine Theorie basierte auf einer einfachen Formel: Angst löst Anspannung aus und Anspannung bedeutet Schmerz. Sein Ziel war es, dass Frauen bei der Geburt aktiv mitwirken anstatt sich im Kreißsaal als hilfloses Opfer zu fühlen.

Nicht immer läuft eine Geburt nach Wunsch ab

Unter Hebammen gibt es jedoch auch Zweifel, was die Methode angeht. Während Hebammen den Frauen in Geburtsvorbereitungskursen erklären, dass Ängste normal sind und dazu gehören, erklären HypnoBirther, dass man keine Angst haben müsse. In ‚klassischen’ Geburtsvorbereitungskursen lernt man das Tönen, also das laute Atmen auf Buchstaben, das den Geburtsvorgang unterstützen soll, wohingegen HypnoBirther die ruhige und lautlose Geburt propagieren. In der Theorie klingt eine lautlose Geburt natürlich ziemlich verlockend. Jede Frau, die schon in Kind geboren hat, dürfte aber ihre Zweifel haben. Was da an Lauten und auch Worten aus einem kommt, ist nicht für alle Ohren bestimmt. Hebamme Jana Friedrich aus Berlin ist von der Grundidee des HypnoBirthing überzeugt, berichtet auf ihrem Hebammenblog aber von eher negativen Erfahrungen mit dem Trend im Krankenhaus: „Die Frauen waren zwar sehr gut informiert, hatten aber ein so festes Bild davon im Kopf, wie ihre Geburt zu sein hat, dass sie im Verlauf nicht mehr die Fähigkeit besaßen, flexibel mit den tatsächlichen Ereignissen umzugehen. Es war ganz so, als würden sie ein starres und dogmatisches Sonderprogramm absolvieren.“ Nicht selten hätten genau diese Geburten mit einem Kaiserschnitt geendet.

Ob Hypno oder nicht: Die Geburt wie unter Trance erlebt – das berichten viele

Läuft eine Geburt also nicht so ab, wie es geplant oder gewünscht war, also schmerzreduziert, selbstbestimmt und natürlich, kann das für Mütter sehr frustrierend sein. Für Gebärende, die zuhause entbinden wollen oder in ein Geburtshaus gehen, kann HypnoBirthing jedoch gut funktionieren. Hier kennt man die Methode und kann die Frauen so noch besser unterstützen. Übrigens berichten sowohl Gynäkologen als auch Hebammen, dass sich Frauen, auch ohne HypnoBirthing, während der Geburt oft in einem Trance-ähnlichen Zustand befinden: das Zeitgefühl verschiebt sich, man ruft plötzlich nach der eigenen Mutter. Dieser Zustand ist laut Ärzten und Hebammen sogar wichtig und wünschenswert, denn er sorge für Entspannung und zeige, dass der Körper ‚funktioniere’ – denn zu viel Nachdenken kann den Geburtsvorgang unterbrechen. Und auch Augen zu und durch, funktioniert bei keiner Geburt. Und das Wichtigste ist vielleicht: Vorbereitung ist gut, aber eine Geburt kann man nicht planen.