Viel hilft viel, könnte man meinen – stimmt aber nicht. Eine Erinnerung daran, sich trotz Kinderwunsch im Bett nicht komplett verrückt zu machen.

Donnerstagabend, 20.15 Uhr? Sex auf der Couch. Stellung: halbe Kerze. Freitag in der Mittagspause? Ein 25-minütiges Schäferstündchen im Schlafzimmer – die Zeit kann man ja wohl besser füllen, als mit einem Teller Pasta aus der Kantine. Samstag nach dem Frühstück? Zurück ins Bett! Die Sonne scheint auch noch an einem anderen Tag. Puuuh. Nicht wenigen Paaren sitzt der Kinderwunsch so im Nacken, dass sie ihren ganzen Alltag danach ausrichten, wie oft und wann sie das nächste Mal miteinander schlafen könnten. Darüber geraten manche in einen irren Terminstress. „Mach dich mal locker!“, sollte sich dann niemand anhören müssen. Schließlich steckt oft eine große Not dahinter – die Angst, dass es auf natürlichem Weg nicht klappen könnte, zum Beispiel. Und trotzdem möchte man als Freundin in solchen Situationen manchmal sagen, dass Sex doch vor allem Spaß machen sollte. Baby hin oder her. Dass man sich nicht verrückt machen darf. Was bringt das schon?! Aber das sagt sich so leicht …

Durchatmen, runterkommen, genießen – wenn ihr könnt

Wer schon dabei angekommen ist, den gemeinsamen Googlekalender mit potenziellen Zeugungsterminen voll zu knallen, dem sei gesagt: Der Spruch „viel hilft viel“ gilt für den Zeugungsprozess nicht! Wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge ist es tatsächlich völlig schnuppe, wie oft ihr während eines Zyklus miteinander schlaft. Sex around the clock? Kann natürlich nicht schaden. Aber den Druck, es immer und immer wieder zu probieren, müsst ihr euch echt nicht machen. So wenig die Häufigkeit von Sex darüber entscheiden kann, ob sich euer Kinderwunsch erfüllt oder nicht – der richtige Zeitpunkt kann es. Die beste Chance, schwanger zu werden, habt ihr nachweislich in den zwei, maximal fünf Tagen vor eurem Eisprung. Das soll nicht heißen, dass es grundsätzlich NUR in der Eisprung-Phase klappen kann, die Wahrscheinlichkeit ist dann allerdings am höchsten. Wisst ihr, wie ihr euren Eisprung bei einem regelmäßigen Zyklus relativ sicher bestimmen könnt? Zunächst einmal braucht ihr dafür eure Zykluslänge – also die Dauer vom ersten Tag eurer Periode bis zum letzten Tag vor der nächsten Menstruationsblutung. Der Zyklus lässt sich außerdem aufteilen – in die Phase bis zum Eisprung und die nach dem Eisprung. Die zweite Phase umfasst recht zuverlässig 14 Tage. Habt ihr also einen Zyklus von 30 Tagen, wird euer Eisprung vermutlich auf den 16. Tag eures Zyklus fallen. Wenn ihr dem Babyglück ein bisschen auf die Sprünge helfen wollt, notiert euch deshalb immer, wenn eure Menstruation beginnt.

„Macht euch mal weniger Stress, dann klappt es schon?“ Unsinn!

Wenn Paare schon länger vergeblich versuchen, auf natürlichem Weg ein Baby zu empfangen, kommen immer wieder Spezialisten um die Ecke, die raten: „Ihr müsst euch weniger Stress machen. Fahrt in den Urlaub.“ Manchmal baut das nur noch mehr Druck auf. Wenn ich glaube, selbst Schuld an meiner Kinderlosigkeit zu sein, kreisen meine Gedanken doch noch mehr darum, meinen Lebensstil weiter zu optimieren. Dadurch wird die Lust aufs Kindermachen bestimmt nicht größer. Sollten wir das Handy wirklich besser lautlos stellen, ALLE Termine canceln und uns zum Babysmachen aus dem Staub machen? Wenn ihr das wirklich wollt: Tut es! Dass Stress an sich eine Schwangerschaft verhindern kann und es im Urlaub deshalb viel leichter klappt, stimmt jedoch nicht. Stress allein macht nicht unfruchtbar. Erst wenn Stress zu Zyklusstörungen führt, nimmt er Einfluss auf die Chancen, schwanger zu werden. Oder natürlich, wenn ihr vor lauter Gedanken-Heckmeck nicht mehr mit eurem Partner schlafen wollt.