streitendes Paar

Das, was man früher mal so gut konnte, verschwindet irgendwo zwischen dem sechsten und zwölften Lebensmonat des Kindes zwischen Windeln, schlaflosen Nächten und schwarzem Kaffee: Ein Paar sein, verliebt sein, leicht sein.

Ein Kind zu bekommen verändert Beziehungen. Die zum Partner und auch zu Freunden oder Kollegen. Das, was sich vorher vielleicht leicht, einfach, zwanglos und unkompliziert anfühlte, wiegt auf einmal tonnenschwer und sieht auf den ersten Blick (vielleicht auch noch auf den zweiten) völlig durcheinander geraten aus. Woher um alles in der Welt kommt die schleichende Unsicherheit und das unstabile Gefühl in einer Partnerschaft, die vor dem Kind so unumstößlich war?

Mama und Papa zu werden muss man lernen, diesen Prozess muss man zulassen. Auch nach der Geburt des ersten Kindes ein Paar zu bleiben, das sich auf Augenhöhe begegnet und liebevoll miteinander umgeht, schafft man nur durch offene Kommunikation. Oft ist es eine verschobene Erwartungshaltung, die Partnerschaften in ein Ungleichgewicht stürzt.

Ein Klischee, das leider viel zu oft wahr ist: Mütter fühlen sich unverstanden und alleine gelassen mit einem Berg an Aufgaben und emotionalem Stress, weil die meisten kinderlosen Freunde und auch der eigene Partner ein Jahr Elternzeit für Freizeit halten. Väter wiederum fühlen permanent den Druck, für ihre Familie zu sorgen. Sie machen sich für die finanzielle Sicherheit verantwortlich, möchten ihr Neugeborenes aber wenigstens vor dem Schlafengehen noch einmal kurz zu Gesicht bekommen. Es ist ein schwieriger Spagat und emotionaler Wackelkontakt, der da entsteht, weil sich niemand mehr wirklich gut fühlt. Verständnis zeigen, ein nettes Wort oder eine Zärtlichkeit, wie ein Kuss oder eine feste Umarmung am Morgen, kann da Wunder vollbringen.

Es ist ok, wenn man auf dem gemeinsamen Weg von einem Paar zu einem Elternpaar auf Hindernisse stößt und die Beziehungskurve keinem Cosmopolitan-Artikel entspricht.

Es ist auch ok, wenn dieser Prozess etwas Zeit in Anspruch nimmt, weil Nähe und Kompromissbereitschaft nicht einfach nebenher passieren, sondern Anstrengung und Bemühungen voraussetzen. Aber die Verbindung, die durch Offenheit und die Bereitschaft dem anderen zuzuhören entsteht, ist es allemal wert – nicht mehr „nur“ als Paar, sondern von nun an als kleine Familie.