Hände vor dem Gesicht

Wir kennen sie alle: Diese Sätze, die irgendwie immer unangebracht sind, egal wann man sie zu hören bekommt. An dieser Stelle eine bunte Zusammenstellung ohne Garantie auf Vollständigkeit – hoffentlich hört es bald auf.

1. Und, wann kommt das Nächste?

Was? Welches nächste denn nur? Das erste Kind ist doch gerade erst abgestillt, kann mit viel Phantasie Mama und Papa sagen, von durchschlafen und windelfrei ist überhaupt keine Rede. Next one—not happening anytime soon.

2. Oh, bist du schon wieder schwanger?

Nein, sowas tut echt nichts fürs neu gewonnene Selbstbewusstsein über den neuen Körper. Wenn man sich mit viel Mühe die letzten Schwangerschaftskilos wegdiätet hat, um zumindest wieder in die alte Lieblingsjeans zu passen und die geliebte Tante mit Blick auf den Bauch schon freudig das nächste Baby erwartet…

3. Die Schwangerschaftspfunde stehen dir einfach so gut…

WELCHE SCHWANGERSCHAFTSPFUNDE EIGENTLICH?

4. Ach, er schläft immer noch nicht durch?

Schlafen ist ja grundsätzlich ein sensibles Thema und lässt ziemlich wenig Platz für gut gemeinte Ratschläge oder schlechte Witze. Wenn das Kind nicht durchschläft, dann nicht, weil es unheimlich viel Freude macht, alle 3h aufzuwachen und ein bisschen durch die Wohnung zu spazieren. Man darf den jungen Eltern schon auch glauben, dass sie durchaus Interesse daran haben, mal wieder eine Nacht am Stück durchzuschlafen.

5. Das würde ich ihm/ihr echt nicht durchgehen lassen.

Welche Grenzen man setzt, wie man sein Kind erzieht, warum es etwas darf oder nicht, ist ja zum Glück nur und ausschließlich die Sache der Eltern, nicht wahr?

6. Er/sie ist bestimmt hungrig.

Wieso geht eigentlich jeder davon aus, nur weil ein Kind guckt oder ein Geräusch macht, hätte es Hunger? Man hat als Erwachsener ja auch nicht permanent Hunger, nur weil jemand ein Brötchen isst und man die Person anschaut oder muss ungehalten durch die Nachbargärten rennen, weil es irgendwo nach Grillwürstchen riecht. Wenn man sich wünscht, dass Kinder ein gesundes Essverhalten entwickelt, sollte man ihnen vielleicht nicht rund um die Uhr etwas essbares in die Hände legen.

7. Verwöhn dein Kind doch nicht so!

Was heißt denn eigentlich verwöhnen? Lieb sein, sich kümmern, kuscheln? Oder mit Spielzeug und Aufmerksamkeiten überhäufen? Vor allem ältere Generationen können sich den Spruch nicht verkneifen, besonders wenn es darum geht, das Kind zu tragen oder mit ihm zusammen einzuschlafen. Nicht davon verunsichern lassen, es schadet keinem Kind der Welt, im Arm der Eltern einzuschlafen.

8. Ihr braucht dringend mal wieder Zeit zu zweit.

Ach was. Immer wieder schön, wenn Außenstehende besser beurteilen können, was man wirklich braucht, als man selbst.

9. Und du willst wirklich nach einem Jahr Elternzeit wieder arbeiten gehen?

Egal wie man es macht, man macht es falsch. Entweder ist man die selbstlose Helikoptermutter, die sich 24h nur um ihr Kind kümmert und sich alle Menschen im näheren Umfeld persönlichen angegriffen dadurch fühlen oder egoistisch, weil man genau das nicht tut. Fakt ist: Wenn eine Mama happy und zufrieden ist, ist der Hausfrieden meistens ausbalanciert, weil alle Familienmitglieder, Freunde und Kollegen davon profitieren.

10. Seitdem du Mutter bist kann man mit dir auch nichts spannendes mehr unternehmen…!

Nur um das einmal klarzustellen: Es ist auch schön, wenn mal nichts aufregendes passiert. Einen heißen Kaffee zu trinken, ein langer Spaziergang an der frischen Luft ohne Stopp auf einem Spielplatz, ein Abendessen ohne Unterbrechung oder 20 Minuten Ruhe in der Umkleidekabine sind die pure Entspannung, mehr wünschen sich die meisten Mütter ja überhaupt nicht. Was andere als langweilig abstempeln, ist das neue Lifegoal. Ein bisschen Verständnis für verschobene Prioritäten und ein offenes Gespräch über eigene Erwartungen löst die aufgestaute Frustration bei Freundinnen ganz schnell auf.