„Hölle, schon wieder zwei Kilo mehr?!“, „Der Rock macht mich fett“ und „So kann ich ECHT NICHT aus dem Haus!“: Habt ihr schon mal darüber nachgedacht, was es mit euren Kindern macht, wenn ihr vor dem Spiegel eine Negativ-Strichliste über euer Äußeres führt?

So wie wir Frauen sozialisiert wurden, liegt es uns im Blut, kritisch den eigenen Körper zu beäugen und uns unerbittlich mit anderen zu vergleichen. Als Mamas sogar noch viel mehr. Selbst im stressigsten Alltag erwarten wir von uns Perfektion – während wir mit unserem gesamten Umfeld sanft und nachgiebig umgehen. Unsere Töchter und Söhne hören schon früh, was wir sagen. Irgendwann verstehen sie den Inhalt – und gleichzeitig nur noch Bahnhof. Denn das, was wir uns vor dem Spiegel selbst zu zischeln, passt so gar nicht zu dem, was unsere Kids von uns denken.

Für unsere Kinder sind wir Superwomen & Heldinnen

Für die ist es total egal, ob unsere Haare auf dem Weg zur Kita aussehen, wie die von Julia Roberts oder ob wir zehn Monate nach der Geburt des Geschwisterchens wieder in unsere alten Jeans passen. Egal, ob uns unsere Hüften zu breit erscheinen oder der Bauch zu schlaff: Wir sind unglaublich stark für sie, wie wir sie durchs Leben tragen. Wir sind wundervoll weich, wenn sie sich zum Einschlafen an uns kuscheln. Für sie sind wir Superwomen. Heldinnen. Die schönsten und besten Mamas der Welt. Sie lieben uns bedingungslos, wie wir sind. Das soll für uns im Umkehrschluss nicht heißen, dass wir uns bei jeder Begegnung mit unserer Spiegelbild selbst hinterher pfeifen oder T-Shirts mit der Aufschrift „Ich bin die Geilste“ tragen müssen – auch wenn beides seine Berechtigung hätte. Wir sollten uns vielmehr von dem Gedanken verabschieden, dass unser Äußeres für ein glückliches und erfülltes Leben wirklich, also WIRKLICH, relevant ist. Wir sollten es uns abgewöhnen, unseren Körper zu kommentieren. Wir sollten damit aufhören, uns fertig zu machen – nicht nur für uns, sondern auch für unsere Kinder und vor allem: unsere Töchter.

Schluss mit überzogener Selbstkritik!

Sie schauen zu uns auf. Sie eifern uns nach. Wollen wir, dass sie mit sich so hart ins Gericht gehen wie wir mit uns? Wegen eines P I C K E L S?! Dass sie im Grundschulalter an ihren Jeans zupfen und sich für zu dick halten oder wegen eines Röllchens am Bauch für hässlich? Oder wollen wir sie zu Menschen erziehen, die jenseits von Kleidergrößen und Körpernormen immer wunderschön sind – nämlich innerlich? Dann müssen wir zu echten Vorbildern werden, indem wir überzogener Selbstkritik einen Riegel vorschieben. Leicht ist das nicht. Wer von kleinauf Lob dafür bekommen hat, wenn die Zöpfe ordentlich geflochten waren und die Strumpfhosen zum Kleid passten, wird es schwer fallen, seinen eigenen Wert nicht an einem hübschen Äußeren zu bemessen. Natürlich dürft ihr euch auch schick machen, zum Sport gehen, um euch fit und stark zu fühlen. Straft euch nur nicht dafür ab, wenn die Hose zwickt und die Augenringe mal wieder bis zu den Kniekehlen hängen.

Wir Frauen sind so viel mehr als nur hübsch

Überlegt lieber: Was macht euch so liebenswert – für andere, aber vor allem für eure Kinder? Ist es das in euren Augen perfekt sitzende Kleid oder eher, dass ihr supertoll vorlesen könnt? Ist es der faltenfreie Porzellanteint oder euer Talent, aus Holzklötzen in Windeseile ein Raumschiff zu bauen? Lobt euch dafür. Lernt, euch und eure Töchter klug und cool zu finden, anstatt nur süß und hübsch. So geben wir unseren Kindern das Selbstbewusstsein mit auf den Weg, das sie brauchen, um sich in der Welt zu behaupten.